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Spitzbuben und Schoggi-S für Diabetiker
Die Bäckerei Happy im Kreis 4 lanciert ein grosses Sortiment an frischen Backwaren für Diabetiker – ein Novum in Zürich.
Von Monica Müller

Yakup Aydin mischt frische Kiwis und Himbeeren in die Diplomatcreme, rüht die Masse schwungvoll und füllt mit dem Dressiersack Becher um Becher damit. Die Fruchtcreme ist eines von vielen neuen Produkten für Diabetiker, die der türkische Bäcker in seinem Familienbetrieb entwickelt hat. Seit vergangenem November betreibt er mit seinen Brüdern und Neffen die Bäckerei Happy, die von Donnerstag bis Sonntag auch nachts geöffnet ist ( TA vom 23.April 2007 )
An Patisserie, Torten, Konfekts und Guetsli für Menschen mit Diabetes tüftelt er aber schon länger. Als seine Familievor gut 20 Jahren in Ankara die ersteBäckerei << Zurich >> eröffnete, kam immer eine Frau aus der Nachbarschaft vorbei. Trat in den Laden und seufzte, weil sie als Diabetikerin auf die süssen Versuchungen verzichten musste.

<< Wir Türken lieben Süsses, und sie Frau tat mir Leid >>, erzählt Aydin. Sie habe den Anstoss gegeben, daass er sich über Jahre mit dem Tehma beschäftigte. Er sprach mit erfahrenen Bäckern und Ärzten, informierte sich über das internet und feilte so an seinen Rezepten. Mittlerweile hat er rund 80 eigene Rezepturen in der Schubladen.

Gelungenes Sortiment
Die grösste Herausforderung sei es, ohne Saccharose einen richtig guten Süssgeschmack hinzukriegen. Er arbeitetohne Kunststoff – Zucker. Über die genauen Zutaten schweigt sich Aydin aber aus. Der Bäcker hält sein Diabetikersortiment für so gelungen, dass er sogar mit dem Gedanken spielt, ganz auf die neuen Produkte umzusatteln. << Die Diabetiker – Spitzbuben schmecken mir beispielsweise besser als die normalen, weil auch die Marmelade hausgemacht ist. >> Ausschlaggebend seien aber die Reaktionen der Kunden.
Und so wird er nun täglich frische produkte backen, die auch für Diabetiker geeignet sind. Den Auftakt machen Gugelhopf, Sand- und Apfelkuchen, Spitzbuben, Schoggi-S und Fruchttörtli. <<Wenn ich damit einen Diabetiker glücklich machen kann, bin auch ich glücklich >>, sagt Aydin.
Theres Morell, Ernährungsfachfrau bei der Züricher Diabetes-Gesellschaft. Kennt das Bedürfnis von Menschen mit Diabetes nach attraktiven Süssigkeiten.Trozdem ist sie kein Fan von Spezialprodukten: <<Gegen 90 Prozent der Diabetiker leiden an Übergewicht.Die Speziell für sie angefertigten Süssigkeitensind oft ebenso kalorienreich wie die normalen, gaukelnaber etwas Falschesvor. >> Sie empfehle ihren Klienten, zum Dessert kleine Mengen von normalen Gebäcken oder normaler Schokolade zu geniessen: eine ReiheSchokolade oder drei kleine Guetsli.Das Angebot der Bäckerei Happy könne sie nicht beurteilen, da sie die Zusammensetzung der Produkte nicht kenne.
Dem Züricher Stadtarzt Albert Wettstein ist die Nachfrage nach qualitativ guten Diabetikerprodukten bestens bekannt, voralem aber fehle es an Frischwaren. Ein breites Angebot sei wichtig, damit jeder Diabetiker das finde, was er suche, ohne sündigen zu müssen . << Ein Diabetiker soll nicht ein schlechteres ewissen haben müssen als die anderen. Lebensfrunde heisst auch kulinarische Freunde. >> Andreas Dossenbach, Lehrer an der Bäckerfachschule Richemont in in Luzern, Hält die Sensibilisierung der angehenden Bäcker und Verkäufer auf Diabetes, Zöliakie und Allergien für zentral, da immer mehr Menschen davon betroffen sind Allein in Zürich leben rud 30 000 Diabetiker.

Ist die Nachfrage zu gering?

Dennoch ist Ernst Hotz, Präsident des Züricher Bäcker- und Konditorenmeisterverbands, skeptisch, ob ein grosses Sortiment an frischen Diabetikerprodukten rentierenkann. Er halte die Nachfrage für zu gering. << Die meisten Diabetiker essen lieber ganz wenig von den normalen Süssigkeiten, weil diese einfach besser schmeckenals Diabetikerprodukte. >> Er selbst habe in seinen sechs Filialen daher bloss das Angebot an Geschenkartikeln ausgebaut, die auch für Diabetiker geeignet sind. Diese seien Länger haltbar.
Die Bäcker Happy wird nebst Guetsli , die zwei, und Konfekt, das drei Tage haltbarist, auch tagesfrische Patisserie und Torten verkaufen. << Als Unternehmer trage ich ohnehin jeden Tag ein Risiko >>, sagt Aydin. Bisher scheint dieses wohlkalkuliert gewesen zu sein: Seit der Eröffnung der Bäckerei Happy im November vergangenen Jahres hat sich ihr Umsatz verfünffacht.

Aktualisiert ( Dienstag, den 26. Mai 2009 um 21:57 Uhr )