Tagblatt Zürich

Gipfeli rund um die Uhr
BÄCKEREI HAPPY Das Geschäft von Yakup Aydin hat 365 Tage im Jahr geöffnet, 24 Stunden am Tag. VON GINGER HEBEL
Der Duft von warmen Schoggigipfeli lockt die Passanten in die Bäckerei Happy im Kreis 4. Yakup Aydin steht seit zwei Uhr morgens in der Backstube, bäckt Vollkorn- Brote, Zopf und Schoggigipfeli. «Wir verkaufen 600 Stück pro Tag, unsere Gipfeli sind stadtbekannt», strahlt der türkische Bäckermeister. Das Geheimnis liegt in der Pralinenfüllung.
Yakup Aydin entstammt einer Bäckerfamilie. Seine Lehre machte er im Betrieb in Ankara. Als er in die Schweiz kam, machte er sich mit hiesigen Produkten vertraut und gründete zusammen mit seiner Frau und zahlreichen Familienmitgliedern die Bäckerei Happy an der Dienerstrasse 32, einer Seitenstrasse der Langstrasse. «Nachts war es hier sehr finster, also entschloss ich mich, die Bäckerei länger offen zu lassen, damit die Strasse heller wird», erzählt Aydin. Das gefiel den Leuten, sie kauften seine Bäckerei halb leer, und jetzt ist sie durchgehend geöffnet, 365 Tage im Jahr.
Sein Privatleben hat Aydin für seinen Betrieb aufgegeben, er arbeitet 16 Stunden pro Tag. Zeit für die beiden Kinder hat er nur am Sonntag. Wenn er nach Hause kommt, duscht er, eine halbe Stunde später ist er bereits eingeschlafen.Patisserie und Kuchen türmen sich in der Vitrine, von der Schoggimousse-, der Schwarzwälder- bis hin zur Himbeertorte, vom Gugelhopf zum Vogelnestli. Alles ist hausgemacht, türkische Spezialitäten verkauft er allerdings nicht. «Die Schweizer mögen leichte Süssigkeiten, den Türken kann es nicht genug mastig sein», weiss Yakup Aydin.
in der Nacht läuft die Bäckerei fast besser als am Tag. Dann kommen die Gewerbler von der Langstrasse, Prostituierte, Taxifahrer und andere Nachtvögel. Sie kaufen ein ofenfrisches Pfünderli und einen Milchkaffee.
Am morgen stehen die Geschäftsleute für ein Schoggigipfeli Schlange, über Mittag reicht die Kolonne bis auf die Strasse.
Yakup Aydin wünscht sich, dass seine Kinder die Bäckerei eines Tages weiterführen. «Familienunternehmen haben in der Schweiz fast keine Bedeutung mehr», bedauert er.
Wieder in der Backstube bereitet er Blätterteigstrudel mit Feta und Spinat zu, seine neuste Kreation.










